Hanfsamen: Qualität und Inhaltsstoffe


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Hanf (Cannabis sativa L.) ist eine der wenigen Pflanzenarten, die
von der Menschheit schon seit Jahrtausenden als Nutzpflanze
erkannt und offenbar auch sehr früh kultiviert wurde. Aus seiner
Urheimat Zentralasien hat Hanf die Menschen in beinahe alle
Klimazonen begleitet.

Die Hanfsamen sind vollgepackt mit Speicherstoffen, deren
ernährungsphysiologischer Wert für Mensch und Tier kaum zu
überbieten ist: Hochwertiges Öl (30-35%), ideal
zusammengesetztes Protein, 20-30% Kohlenhydrate sowie alle
wichtigen Mineralstoffe und Spurenelemente, wichtige Vitamine,
Chlorophylle und einige Aromastoffe.

Gift- und Hemmstoffe, wie sie z.B. im Baumwoll-, Raps- oder
Sojasamen auftreten, findet man in den Hanfsamen nicht, so dass
diese roh verzehrt werden können und weder Öl noch Presskuchen
vor dem Verbrauch raffiniert oder hitzebehandelt werden müssen.
Hanfsamen dienten seit Urzeiten nicht nur als Viehfutter, sondern
man wusste sehr wohl um den Segen der Hanfsamen als
Nahrungsmittel, wohingegen der Adel Hanf als Bauernfrass abtat,
eine fatale Fehleinschätzung des ernährungsphysiologischen
Wertes der Inhaltsstoffe der Hanfsaat. Die für die Neubildung von
Zellen im menschlichen Körper ideale Zusammensetzung des
Hanföls und die gleichzeitig richtige Versorgung mit Aminosäuren
für die Biosynthese von Immunglobulinen führten zusammen mit
den notwendigen Spurenelementen zur Erhaltung und Stärkung des
Immunsystems der Hanfesser.

Durch eine Kaltpressung der Hanfsaat erhält man ein grünlich
gefärbtes Öl.
Die beiden ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und
Alpha-Linolensäure sind für die menschliche Ernährung essentiell,
weil deren Bedarf durch die Nahrungsaufnahme gedeckt werden
muss. Sie kommen auch z.B. im Weizenkeim-oder Färbedistel-Öl
vor. Einmalig beim Hanföl ist, dass die beiden Fettsäuren in einem
für den Stoffwechsel optimalen Verhältnis von ca. 3:1 vorkommen.

Diese ungesättigten Fettsäuren setzt der Körper insbesondere zur
Herstellung von regulierenden kurzlebigen Hormonen, zur Erhaltung
und zum Aufbau des Immunsystems und bei der stetig ablaufenden
Zellerneuerung ein.

Als besonders wertvolle Komponente enthält das Hanföl die
ebenfalls dreifach ungesättigte Gamma-Linolensäure in der
stoffwechselwirksamen Menge von 1,5-6%, je nach Hanfsorte, die
sonst in den landwirtschaftlich nicht so leicht verfügbaren Pflanzen
Borretsch (Borago officinalis L.), Nachtkerze (Oenothera biennis L.)
oder schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum L.) vorkommt.

Gamma-Linolsäure und die jüngst im Hanföl ebenfalls entdeckte
Omega-3-Stearidonsäure dienen als wichtige Vorstufen für die
Biosynthese der hormonähnlichen Prostaglandine, die im Körper
vielfältige Aufgaben wahrnehmen wie z.B. im Hormonhaushalt, bei
der Funktion von Nerven und Muskeln und der Steuerung des
Blutdrucks.

Fett und Öle mit gesättigten Fettsäuren werden überwiegend
abgebaut zur Gewinnung von Energie und bei Überschuss zum
Aufbau körpereigenem Fett in den Fettspeicherzellen verwendet.
Die im Hanföl überwiegenden mehrfach ungesättigten Fettsäuren
setzt der Körper dagegen zur Herstellung von kurzlebigen,
regulativen Hormonen, zur Erhaltung des Immunsystems und zum
Aufbau neuer Zellstrukturen (insbesondere Zellmembranen) ein, um
die stetigen Umwandlungsprozesse und den laufenden Neuaufbau
von Zellen zu ermöglichen.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die
Wiederaufnahme von Hanfsaat in unseren Speiseplan ein
wesentlicher, belegbarer Fortschritt zu gesunder, vollwertiger
Ernährung darstellt und auch eine schmackhafte Abwechslung in
unseren Küchenplan bringt. Mit dem vermehrten Anbau von
THC-freien bzw. extrem THC-armen Nutzhanfsorten wird in den
nächsten Jahren sicherlich auch die Zahl von wohlschmeckenden,
gesunden Speisen auf Hanfbasis ansteigen.
Quelle:

Prof. Dr. Roland R. Theimer, Bergische Universität Wuppertal
http://www.verwaltung.uni-wuppertal.de/forschung/2002/Fb9/Theimer.htmext. link